11. / 12.07.2018 – von Seward, AK nach Whittier, AK

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Bei Regen und tief hängenden Wolken ging es nach Whittier am Prince William Sound, der durch die Ölkatastrophe der Exxon Valdez auch in Deutschland bekannt ist.

Das spektakulärste war eine rund 5 Kilometer lange, kostenpflichtige Tunneldurchfahrt, dem einzigen Landweg nach Whittier. Der Tunnel ist einspurig und wird im 30 Minuten Takt in eine Richtung freigegeben. Der Straßenverkehr teilt sich den Tunnel mit dem Schienenverkehr, dass heißt man „eiert“ auf dem Bahngleis, bekannt in Städten mit Straßenbahnen.

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Der Ort Whittier ist winzig mit knapp 300 Einwohnern, aber bei Anglern in bestimmten Monaten sehr beliebt. Ferner bietet der Ort den Ausgangspunkt zu einer Gletscherrundfaht, wo man 26 Gletscher – Alaska hat per Gletscherdefinition 100.000 zu bieten – bestaunen kann. Die Tour ist ihr Geld wert, nicht nur des Anblicks wegen, sondern die vielen Erläuterungen dazu.

Ein Gletscher kann unter 2 wesentlichen Bedingungen entstehen, viel Schnee und Dauerfrost, wobei es nicht entscheidend ist wieviel Minusgrade herrschen. Das ist geradezu ideal hier, dem nördlichsten Regenwaldgebiet Nordamerikas. Hier fallen pro Jahr durchschnittlich 35 Meter Schnee kumulativ. Durch das Eigengewicht verdichtet sich der Schnee, die eingeschlossene Luft wird durch den Druck ausgetrieben und im Zeitraum werden die komprimierten Schneekristalle zu Eis. Im Gegensatz zu gefrorenem Wasser bleibt es aber eine kristalline Strucktur, die in seinem Lichtabsorbtionsverhalten nur noch blau reflektiert, daher der malerische Farbton.

Des weiteren bewirkt die Schwerkraft, dass der Gletscher zu Tal fließt. Je nach Steigung können das bis zu 20 Zentimeter pro Jahr sein. Bei dieser Talfahrt wird das Gebirge stark geschliffen, was an den Talhängen sehr gut zu erkennen ist.

wie in einem Flußsystem münden die Gletscher in einen Hauptgletscher, sehr gut erkennbar durch die dunkle Linie, die über die gesamte Mächtigkeit reicht. Der Gletscher von rechts bringt Abrieb von seiner rechten Flanke mit und der Gletscher von links von seiner linken Flanke (in Fließrichtung) mit. Das Kalben der Gletscher ist ein normaler Prozess, der mit dem Rückzug der Gletscher nichts zu tun. In seiner Vorwärtsbewegung überragt der Gletscher die Küstenlinie und bricht aufgrund der Schwerkraft ab.

Dennoch befinden sich 90% der Gletscher auf dem Rückzug. Zuerst nimmt die Mächtigkeit ab und später durch den Masseverlust verringert sich die Fließgeschwindigkeit so weit, dass sich das Gletschertor immer weiter ins Landesinnere zurückbildet.

Ein Blick auf die Berge zeigt runde Kuppen oder gezackte Gipfel. Die Erlärung, wenn man es weiß, ist ganz einfach. Am Ende der letzten Eiszeit vor 10.400 Jahren war der Eispanzer 4.000 ft dick. Bei Abschmelzen und der Talbewegung wurden die tieferen Rundungen abgeschliffen. D. h. alles was nicht rund ist ist deutlich höher als 4.000 f t.

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Die Ausbeute der Tierbeobachtung war heute etwas mager. Dennoch ist das Spiel der Seeotter beeindruckend. Sie leben immer im Wasser, von wenigen Pausen auf Eisschollen abgesehen, gehen aber niemals an Land. Dafür müssen sie pro Tag 25% ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen. Zum wärmen hat der Seeotter ein unglaublich dichtes Fell – zum Vergleich hat der Seeoter auf 6,5 Quadratzentimetern genausoviele Haare wie ein deutscher Schäferhund am ganzen Körper.

Sonst gab es noch Robben und Möwen, die es sich auf Eisschollen gemütlich gemacht haben, zu sehen.

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