13.09.2019 – von Saint Malo nach Paimpol

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Der Tag begann mit dem erwarteten „Kracher der Tour“ Saint Malo. Erwartet, weil ich 2014 schon einmal in Malo war. Es war die erste Bootsüberführung mit Edgar als Skipper, eine schrottreife Trintella 38 Fuß von La Coruna in Spanien zum Ijselmeer in den Niederlanden zu bringen. Das waren so unglaubliche Erlebnisse, die ein ganzes Buch Wert wären.

Von Land aus und um diese Jahreszeit gab es einige Veränderungen. Es ist kein schlechtes Wetter, das kann ich nicht sagen, aber es ist gewöhnungsbedürftig. Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht ist es bis 11 Uhr diesig bis neblig – zum fotografieren also vor 11 Uhr ungeeignet. Und das sehen alle Touristen genauso – also immer rappel voll.

Malo hat um die Altstadt herum 12 Parkplätze, jeweils mit einer Kapazität von 150 bis 350 Plätzen, und alle haben eine Gemeinsamkeit – einen fiesen Balken in einer Höhe von 2,1 Metern. Also, wie so oft, Parkplatz außerhalb der gewünschten Reichweite gesucht und den Schrittzähler vom Handy glühen lassen. Der Besuch der Altstadt ist es mehr als Wert, lach, und gesund ist es auch, auch wenn bei einer Luftfeuchtigkeit von gefühlten 100% schweißtreibend.

Und das sagt Wikipedia zur Geschichte der Stadt:

Ursprung der Stadt war die gallo-römische Siedlung Aleth, die auf einer Halbinsel dem heutigen Stadtteil St. Servan vorgelagert war. Lange schützte die strategisch günstige Lage die Bewohner vor Eindringlingen. Im 6. Jahrhundert begann der walisische Mönch Machutus, auch Maclou oder Maclovius genannt, dessen Name im Französischen zu Malo wurde, mit der Missionierung der Einwohner. Allmählich begann die Siedlung zu wachsen und sich auf das benachbarte Festland auszudehnen. Der Schutzheilige und damit Namensgeber des neuen Stadtteiles wurde der Heilige Servan.

Im 12. Jahrhundert verstärkte sich der Druck auf die Siedlung durch Überfälle der Normannen immer mehr. Die nördlich gelegene Insel, heute Intra muros, schien den nötigen Schutz zu bieten. 1142 siedelte auch der Bischof auf die Insel und errichtete dort eine Kathedrale (Saint-Vincent). In den folgenden Jahren begann der Bau einer mächtigen Wehrmauer, die der Stadt, jetzt Saint-Malo genannt, lange Zeit Sicherheit und Unabhängigkeit gab.

Ihre Blütezeit erreichte die Stadt im 16. Jahrhundert. Durch Fischfang und Handel (auch Kaperfahrten, Schleichhandel und Sklavenhandel) erlangte Saint-Malo Wohlstand. 1590 wurde eine eigene Republik ausgerufen, die jedoch nur bis 1594 bestand. Diese war Grundlage für das Selbstbewusstsein der Bewohner, die sich Malouinen (frz. malouins) nannten. Gefürchtet war Saint-Malo bei holländischen und englischen Handelsschiffen, denn die Stadt war auch Heimat von Korsaren, allen voran Robert Surcouf (1773–1827), der mit seinem schnellen und wendigen Schiff „Renard“ (Fuchs) auf Beutezug ging. Er war dabei so erfolgreich, dass er sich mit 35 Jahren zur Ruhe setzen konnte.

Im August 1944, nach der Landung der Alliierten in der Normandie, wurde die Innenstadt von Saint-Malo (intra muros) zu etwa 85 Prozent durch anglo-amerikanische Bombardierungen zerstört, da der damalige Festungskommandant Oberst von Aulock sich weigerte, zu kapitulieren. Im Gegensatz zu anderen stark zerstörten Städten bemühte sich Saint-Malo aber um einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau, der auch weitestgehend gelang. Man stützte sich dazu auf alte Pläne und Abbildungen der Stadt.

Das kann ich wirklich bestätigen, es ist nicht zu erkennen, dass diese massive Zerstörung stattgefunden hat. Das was sicherlich neu gestaltet wurde sind die vielen kleinen Restaurants – besonders entlang der Innenseite der Stadtmauern, die alleine lohnen würden alle besucht zu werden.

Gesehen habe ich auch den ersten großen Wochenmarkt. Leider konnte ich nur an einem „Randstand“ ein Foto machen, da – ich verstehe das – im Markt keine Hunde zugelassen sind.

Nachdem ich nun von der Normandie in der Bretagne angekommen bin gibt es eine weitere, auffällige Veränderung. Klima bedingt ist die Vegetation fast schon mediterran, mit vielen Palmen, bunt blühenden Pflanzen und als Solitär Pinien.

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Nach dem Ereignisreichen Erlebnissen in Malo ging es auf die andere Seite der Bucht nach Dinard mit tollem Ausblick auf die Altstadt von Saint Malo. Der luxuriöse Ort wird auch das Nizza des Nordens genannt. Den Vergleich kann ich nicht ziehen, denn 3 Anläufe Nizza zu besuchen waren nicht erfolgreich. Zwei Mal hat die Firma mich statt dessen nach Westafrika geschickt und beim dritten Versuch kam ein doppelter Bandscheibenvorfall dazwischen.

Dennoch war es ein absolut lohnendes Ziel, da Vieles an die Cote d’Azur erinnert. Der Strand, eingefasst von Felsen, sehr beengt, fast winzig und mit einer Besonderheit, die einmalig in Europa ist. Es herrscht hier mit 12 Metern der größte Tidenhub in Europa. Besonders für die Segler, und davon gibt es unglaublich viele in Frankreich, ist das ein sehr anspruchsvolles Revier. Die Tide beeinflusst die Fahrt des Schiffes mit bis zu 35 km/h, und das ist mehr als doppelt so viel, wie das Schiff selbst an Fahrt aufbringen kann (so waren wir exakt in Dieppe 2017 „gestrandet“). Da heißt es großen Abstand zur Küste zu halten und die kleinen Zeitfenster nutzen um ein- / oder auszulaufen.

Was unglaublich beeindruckt sind die Villen. Und es macht richtig neugierig, wer dort lebt – nur wie an der Cote d’Azur sieht an niemanden.

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Auf dem weiteren Weg habe ich kurz Saint Brieuc besucht. Ehrlich, das war den Aufenthalt nur bedingt Wert. Ja, die Kathedrale ist ein tolles Bauwerk, aber viel mehr hat der Ort nicht zu bieten.

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Am frühen Abend bin ich dann in Paimpol angekommen. Den Ort kenne ich noch nicht, aber das war auch nicht mein originäres Ziel. Der Campingplatz war der Ort „der Begierde“. Außerhalb des Tourismus, am Wasser und weitläufige Wege, um mit Xandro zu laufen und zu trainieren, plus sacken lassen und ausruhen – Seele baumeln lassen, ein bisschen Grillen usw.. Die Bilder bei Ebbe, bzw. Flut veranschaulichen die „Macht“ der Gezeiten.

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